Karfreitag und Ostern

Liebe Leserinnen und Leser,    

Mit nebenstehendem Plakat (geschaffen von dem Darmstädter Künstler Ralf Kopp) hat unsere Landeskirche eine Kampagne für den Karfreitag gestartet. Die Diskussion über das Tanzverbot an diesem „stillen Feiertag“  und Demonstrationen gegen dieses Verbot im letzten Jahr, haben verdeutlicht, was eigentlich schon seit vielen Jahren immer offensichtlicher wurde:  



Die christliche Botschaft dieses Tages ist vielen Menschen nicht mehr bekannt und /oder nicht verstehbar und /oder nicht von Interesse. Der Karfreitag wird in seiner Bedeutung immer weiter reduziert auf den geschenkten freien Tag, der das Osterwochenende verlängert.
Opfer
Das Osterfest selbst wird von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft gerne gefeiert. Das liegt sicherlich auch an den verbreiteten Osterriten, an der Freude der Kinder bei der Suche nach Osterhasen in jeglicher Form und Beschaffenheit und nach bunten Eiern. Doch es liegt auch daran, dass es einfach leichter und schöner ist, eine Auferstehung zu feiern, als still an einen Tod zu denken.

Das ist eine Entwicklung, der die Kirche, der wir Christen entgegen treten müssen, denn es ist tiefe Wahrheit, dass Ostern ohne Karfreitag nicht zu haben ist, oder anders formuliert: erst der Karfreitag macht Ostern möglich.

Das Christentum ist nicht zur Weltreligion gewachsen, weil es eine römische Hinrichtung gab, sondern weil der Mensch, der da starb, mit seinem Leben und Sterben die Menschen von der Zuwendung und Liebe Gottes überzeugt hat, weil sein Leben und Sterben Versöhnung und Liebe war. Darum sind seitdem Viele seinem Ruf zur Nachfolge gefolgt.

Die Botschaft von Karfreitag heißt Versöhnung und Liebe; denn diese beiden setzt Jesus der Enttäuschung, dem Unverständnis, weltlicher Macht und Gewalt entgegen und nimmt ihnen damit ihre Kraft. Was folgt, ist Erkenntnis und Stille, die Frage nach dem eigenen Leben, die Frage nach Gott. Was folgt ist befreiende Botschaft von Erlösung und die frohe Botschaft, dass Gottes Liebe auch den Tod überwindet. Diese Botschaft darf niemals verstummen,  darf nicht untergehen im Treiben der Welt.

Die Kampagne unserer Kirche zum Karfreitag soll darum auf einem neuen Weg den Karfreitag in das Blickfeld rücken. Sie soll aufmerksam machen, vielleicht sogar zum Widerspruch reizen, zur Diskussion anregen, Bewusstsein schaffen, informieren, Verständnis wecken, Respekt fordern … mit dem Plakat und mit Gesprächen, mit Gottesdiensten und Andachten und auch unter www.karfreitag.de.

Ich bin sehr gespannt darauf – und ich denke, dies kann für uns alle ein Aufruf sein, die Botschaft unseres Glaubens so zu predigen/zu erzählen/zu leben, dass sie die Herzen der Menschen erreicht.    

Denn stille Tage müssen ein Bedürfnis sein, sonst sind sie leer. Die Botschaft der Liebe wird schal, wenn sie gepaart ist mit lieblosem Handeln. Die Rede von Gerechtigkeit bleibt hohl, wenn Zerstörung das Werk ist. Versöhnung will gelebt sein, Vergebung erfahren, Erlösung soll befreien und dem Reden das Tun folgen.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine besinnliche restliche Karwoche, einen stillen Karfreitag und ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Ihre
Anja Bode
(Pfarrerin)